Interkulturelles Netzwerk für Hochbegabte – Çiğdem Gül im Interview (Teil 1)

Heute gibt es auf dem HIGHLY GIFTED Blog erstmalig eine etwas andere Form eines Beitrages – ein Interview.

Vor kurzem durfte ich die liebe Çiğdem Gül und ihr Interkulturelles IMG-20140323-WA0002-21Netzwerk für Hochbegabte kennenlernen – eine beeindruckende Frau mit einer klaren Vision. Çiğdem ist Diplom-Ökonomin, Change Management Consultant, Business Coach, Interkultureller Coach für Hochbegabte und freie Journalistin. Im Mai 2015 hat sie das dreisprachige Netzwerk gegründet mit dem Ziel, Hochbegabten, hochbegabten Migranten, hochbegabten geflüchteten Asylsuchenden und noch nicht erkannten Hochbegabten eine barrierefreie Plattform zu bieten, sich gegenseitig kennenzulernen und sich auszutauschen. Für Çiğdem ist es von zentraler Bedeutung, auch die kulturelle Komponente mit einzubeziehen, weil der hochbegabte Mensch aus ihrer Sicht von seiner kulturellen Sozialisation nicht getrennt bzw. isoliert betrachtet werden sollte und die Hochbegabung in anderen Kulturen zusätzliche Bereicherungen und Hindernisse aufweisen. Weiterführende Informationen zu Çiğdem findest Du hier.

Im heutigen Interview gibt Çiğdem uns wertvolle Einblicke in ihre Arbeit und in die Besonderheiten von Hochbegabung im interkulturellen Kontext.

„Ich komme aus einem anderen Land und aus einer anderen Kultur, die mir sehr gut getan haben.
Mit einem ruhigen Blick schaue ich als Erwachsene auf meine Kindheit und erste Sozialisation in einem kleinen Dorf in Anatolien zurück und fühle, dass ich dort das Glück hatte, trotz fehlender Infrastruktur, hoher Rate an Kindersterblichkeit, nicht erkannter Hochbegabung und kaum vorhandener Zivilisation auch bis heute unbeschadet und sehr zufrieden zu sein.“

Franziska: Liebe Çiğdem, ich freue mich sehr, Dich heute für den HIGHLY GIFTED Blog interviewen zu dürfen. Vielleicht erzählst Du meinen Leserinnen und Lesern zu Beginn erst einmal etwas über Dich. Welchen Bezug hast Du zum Thema Hochbegabung?

Çiğdem: Liebe Franziska, merci!

Ich bin ein Arbeiterkind. Ein Gastarbeiterkind. Und mittlerweile seit über 40 Jahren eine Migrantin in Deutschland. Ich habe mich seit einigen Jahren öffentlich als ein anatolisches Gesicht für Hochbegabung in Deutschland und im Ausland zu erkennen gegeben. Seitdem ist sowohl die deutsche Welt als auch die türkische Welt völlig irritiert und in Aufruhr. (lacht). So viel Action muss sein!…;-)

Scherz beiseite:

Es ist in Deutschland sicherlich sehr gewöhnungsbedürftig, dass unter den gerne defizitär betrachteten Migranten ausgerechnet eine türkischstämmige Frau wagt, zu den etablierten Netzwerken für Hochbegabte und Höchstbegabte wie z. B. Mensa International, Mensa in Deutschland e. V. (MinD), MinD- Hochschul-Netzwerk (MHN), Triple Nine Society (TNS) etc., ein eigenes mehrsprachiges  Interkulturelles Netzwerk für Hochbegabte zu gründen und dieses im Netz auch der Weltöffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Ich komme aus einem anderen Land und aus einer anderen Kultur, die mir sehr gut getan haben. Mit einem ruhigen Blick schaue ich als Erwachsene auf meine Kindheit und erste Sozialisation in einem kleinen Dorf in Anatolien zurück und fühle, dass ich dort das Glück hatte, trotz fehlender Infrastruktur, hoher Rate an Kindersterblichkeit, nicht erkannter Hochbegabung und kaum vorhandener Zivilisation sehr glücklich und auch bis heute unbeschadet zu sein. Ich habe persische Wurzeln. Meine Vorfahren stammen aus Chorasan. Das ist eine historische Region in Zentralasien zwischen Nordost-Iran und Nordwest-Afghanistan im Gebiet der heutigen Staaten Iran, Turkmenistan, Afghanistan, Usbekistan und Tadschkistan.

Mit den Begriffen von heute, möchte ich als Rückschau mein Leben von damals beschreiben:
Ich bin Jahrgang 1971, geboren in einem kleinen Dorf in Kelkit-Gümüşhane/Türkei und das dritte Kind von acht Kindern, darunter zwei als Säugling vorverstorbene Brüder. Mein richtiges Geburtsdatum weiß niemand, auch nicht meine Eltern. Mein Geburtsjahr soll analog zum offiziellen Geburtsjahr 1971 plus-minus um ein Jahr schwanken. Wenn ich in der Vergangenheit meine Mutter nach meinem wahren Geburtstag befragte, antwortete sie: „Es war ein sonniger Tag. Die Ernte war reif….“ Auf den Bergen Anatoliens und folglich in dem abgelegenen Dörfern herrschte ein anderes Zeitgefühl. Man orientierte sich nach der Sonne, Natur und nach Jahreszeiten In meinem Herkunftsort fehlte damals die Infrastruktur, daher wurden noch-nicht-Gezeugte, Ungeborene,  Neugeborene und/ oder ältere Kinder erst dann beim nächstgelegenen Standesamt registriert, wenn jemand die Möglichkeit hatte, endlich ein adäquates Fahrzeug zu finden, um in die Stadt zu fahren. Sicherlich hätten die Menschen in Anatolien und sonst wo auf der Welt damals und heute bei vergleichbarer Infrastruktur, Wohlstand, Wahlmöglichkeiten und Bildung wie in Deutschland ganz anders gehandelt als zuvor beschrieben. Da ich Kelkit-Gümüşhane nie gesehen habe, empfinde ich als meinen Geburtsort die Nachbarstadt „Erzincan“.

In meinem Herkunftsdorf auf den Bergen Anatoliens gab es damals keine Geschäfte, keinen Strom, kein Telefon, kein Fernsehgerät, keine Bibliothek, keinen Esstisch auf vier Beinen, keine Heizung, kein Waschbecken, kein Warmwasser, kaum Infrastruktur, kaum Zugang zur Außenwelt… Trotzdem fehlte es mir an nichts… Ich bin stolz, sehr stolz, dass ich den unbezahlbaren Luxus hatte, auch ein Leben fernab von jeglicher Zivilisation erfahren zu haben.

Meine erste Sozialisation in Anatolien prägte mich dahingehend sehr positiv, dass ich als kleines Kind sehr im Einklang mit der Natur lebte.

(Çiğdem Gül legt den folgenden Auszug vor , aus ihrem Fachartikel „Gedankenstil? – Normalbegabte, Hochbegabte, hochbegabte Migranten“, Teil 2.3: Wie denken hochbegabte Migranten? – Am Beispiel der eigenen Ausgangspunkte und Entwicklungslinien – Siehe auch hier.)

„In der Fruchtblase meiner Mutter gab es keine Bibliothek, an dem ich mich als Ungeborene schon mal bedienen konnte. Auch hörte meine Mutter in Anatolien während der Schwangerschaft keine klassische Musik von Bach, Mozart und Tschaikowski, um meine Intelligenz zu fördern. Meine Eltern hatten uns Kindern keine Rechenaufgaben – sei es auch spielerisch – beigebracht. Unsere Puppen bastelten wir fünf Schwestern selbst aus kleinen Stöcken und Stoffmaterialien. Mit diesen und anderen Beispielen möchte ich nicht demonstrieren, dass hochbegabte Einheimische in Deutschland all´ dies gehabt hätten, sondern die Unterschiedlichkeiten und die unterschiedlichen Selbstverständlichkeiten einer anderen Kultur und Welt aufzeigen. Als beliebtes und lebhaftes Kind im Dorf, spielte ich unbeschwert mit anderen Kindern, aß an Melonenschalen am Bach und pflückte fröhlich Çiğdem-Krokus-Blumen auf den Bergen. Mein Street Style – euh – Dorf- Fashion Look bestand überwiegend aus der Kombination von handgenähten Klamotten, die liniert, zugleich gepunktet, zugleich geblümt und zugleich kariert waren. In meinem Gesamtweltgefühl war ich in Anatolien stets in großer Begeisterung und voller Freude.“.

Ich wuchs als Kind im Dorf so auf, wie ein Kind in seinem Umfeld „normal“ aufwuchs. Ich kann mich bis zu meinem dritten Lebensjahr zurückerinnern. Manchmal frage ich mich, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich dort geblieben wäre.

Mein Vater arbeitete Anfang der 70er Jahre ein Jahr lang in Frankreich und immigrierte anschließend nach Deutschland. Um die gewünschte Augen-OP der jüngsten Tochter in Deutschland zu realisieren, wollte er sie nach Deutschland holen. Meine Mutter war damit nicht einverstanden und setzte die Familienzusammenführung samt den Kindern im Jahr 1975 durch. Ich war vier Jahre alt, als wir nach Deutschland kamen. Im Jahr 1976 kam unser Bruder in Duisburg auf die Welt.

In Deutschland angekommen, erlebte ich als Vierjährige einen Kulturschock, auch deswegen, weil unser „Türkisch“ weder von den Einheimischen noch von den Türkischstämmigen verstanden wurde. Bis ich als Kind begriff, dass ich ein anatolisches Dorfdialekt sprach und noch kein „Hochtürkisch“ verstand. Es fiel mir nie leicht, eine fremde Sprache zu erlernen. Und Deutsch verstand ich auch nicht. Das erste Wort bzw. der erste Satz, den ich auf Deutsch lernte, war nicht „Eeeyyy, das ist voll krass…!“, sondern einfach nur „Elefant“. Ich kann mich erinnern, dass ich als Kind vor Freude die ganze Nacht nicht schlafen konnte. Wenn ich damals gewusst hätte, dass ich 20 Jahre später in einem thailändischen Dschungel auf einen Elefanten reiten würde, hätte ich als Kind noch alles andere über Elefanten recherchiert. Außerhalb meiner Schule hatte ich mitten in Deutschland jahrelang kaum ein deutsches Umfeld. Dafür war ich mit eigenen Familie, Verwandten, Landsleuten und mit italienischen Nachbarn meines Elternhauses intensiv im Kontakt.

Rückblickend betrachtet stelle ich bereits in meiner Kindheit viele Situationen fest, in denen mein Anderssein deutlich wird. Als  FÜNFJÄHRIGE – fast frisch aus dem anatolischen Dorf hierher geholt – stand ich vor meinem Vater mit eingehakten Händen an der Hüfte und wollte mit ihm sachlich diskutieren. Diskutieren?! Weder er noch ich wussten damals, was Diskutieren bedeutete… Wir beide kannten die Definition von Diskutieren gar nicht! Ich stellte non-stop Fragen und hinterfragte alles.

Im Alter von sechs Jahren begann ich Frauen in Abendkleidern zu zeichnen, obwohl ich niemals zuvor und währenddessen eine Frau im Abendkleid sah… Ich zeichnete also etwas, was ich real nie gesehen hatte… , was aber in der Welt existierte…

Ich stand ALS ca. SECHSJÄHRIGE  allein im Wohnzimmer meines Elternhauses und sagte zu mir: „Das hier ist NICHT MEINE Familie! Das hier ist NICHT MEINE Gesellschaft! Das hier ist NICHT MEIN Leben! Mein Leben ist draußen irgendwo, ich weiß aber noch nicht, wo.“ Mein Zuhause ist mittlerweile in mir selbst und kein geographischer oder familiärer Ort mehr.

Ich hatte schon immer große Träume gehabt. Als Kind stellte ich mir vor, dass, wenn ich irgendwann mal erwachsen werde, in der Welt Großes bewegen möchte. Doch davor musste ich mich als Außenseiterin jahrelang in einer langweiligen Hauptschule in Duisburg austoben und jahrelang mit meinem brüchigen Deutsch mit dem ausländische Schüler diskriminierenden Klassenlehrer knallharte Auseinandersetzungen durchstehen. Die Krönung war es, dass ich zu meinen Elternsprechtagen selbst und allein ging (meine Eltern verstanden kaum ein Wort Deutsch, und meine älteren Schwestern genauso wenig), um mich bei diesem Lehrer für mich einzusetzen und durchzusetzen. So sehr, dass er auch nach über 30 Jahren (!) mich und meinen Namen nicht vergessen hat. Bis vor wenigen Jahren bestellte mein ehemaliger Klassenlehrer über meine in Duisburg ansässigen Geschwister und Neffen liebe Grüße an mich. In der Hauptschulzeit gehörten zu meinen Mentoren der bekannte türkische Schriftsteller und zugleich mein Türkischlehrer Herr Fakir Baykurt sowie die großartige Schulleiterin (ihr Name ist mir leider entfallen). Ihnen verdanke ich, dass ich heute schreibe. Ihnen verdanke ich, dass ich nie aufgegeben habe, an das Gute und Gerechte im Leben zu glauben.

Meine Mutter ist Analphabetin ohne Deutschkenntnisse, mein Vater war ein Arbeiter mit Grundschulabschluss und wenig Deutschkenntnissen. Das hinderte mich nicht, ein Leben lang in Humankapital und in persönliche Entwicklung zu investieren.

Da mein Anderssein, Freigeist, selbständiges Denken, Fragen, Hinterfragen, unbeschwerte und westliche Haltung nicht nur mein nicht-streng-religiöses Elternhaus, interkulturelles Umfeld und deutsche Schul- und Hochschulwelt überforderte, sondern auch meine damalige traditionell orientierte Ehefamilie, und sie damit keinen adäquaten Umgang finden konnten und wollten, verließ ich die Ehe, ließ mich scheiden, und usopiere und gehe seitdem meinen eigenen Weg weiter.

Mein Wissensdurst, hohe Kreativität (auch in der Lösungsfindung), eiserner Willen und Durchhaltevermögen ließen mir jahrelang alle Vorurteile, Hindernisse und Schwierigkeiten als Chance und Herausforderung begreifen. So war es mir deshalb möglich, sogar als ehemalige Hauptschülerin und alleinerziehende Türkin das universitäres Studium in Wirtschaftswissenschaften – zeitweise mit bis zu drei Jobs nebenbei (ohne Bafög, ohne staatliche Hilfe und weitgehend ohne familiäre Unterstützung) erfolgreich abzuschließen. Meine Seele hat mir im Bereich der realen Belastungsmöglichkeiten und Erfahrungen das Maximum an „Training“ gegeben, so dass ich Probleme, Schwierigkeiten, Hindernisse und meine Kraftnehmer von außen als Herausforderung und Chance begreife, an mir selbst weiterzuarbeiten und aus allen meinen Lebenskontexten, Situationen und Themen nur das Beste zu machen.

„Die Idee zum Aufbau eines Interkulturellen Netzwerkes für Hochbegabte entstand im Mai 2015 spontan und leise in einem Kurs für Webdesign. Seitdem baue ich dieses Netzwerk nicht hauptberuflich, nicht nebenberuflich, sondern in meiner freien Zeit auf.“

Mein verstorbener portugiesischer Lieblingsschriftsteller Fernando Pessoa hätte wie einst in seinem Buch „Die Rückkehr der Götter“ an dieser Stelle gesagt: „Ich fühle mich vielfältig. Ich bin wie ein Zimmer mit unzähligen wunderlichen Spiegeln…“ Ich bin Diplom-Ökonomin. Die Bandbreite meiner bisherigen Berufe in den unterschiedlichsten Branchen, Positionen, Tätigkeiten, Erfahrungen spiegelt meine Vielseitigkeit und Vielschichtigkeit wider. Sie erstreckt sich unter anderem über die Berufe als Change Management Consultant, Business Coach, Interkultureller Coach für Hochbegabte und Hochsensible, freie Journalistin in deutscher und türkischer Sprache, selbständige und richterlich per Gerichtsbeschluss bestellte Rechtliche Berufsbetreuerin für drei Amtsgerichte, Verfahrenspflegerin beim Amtsgericht, Gerichtsdolmetscherin für die türkische Sprache, Online Marketing Managerin, Personal- und Organisationsleiterin, Arbeitsvermittlerin mit Beratungsaufgaben, Expertin für die Flüchtlingsthematiik bei einem berufsbezogenen Projekt, Dozentin in der Erwachsenenbildung, als damalige Studentin eigene empirische Erhebung beim Institut für Angewandte Handelsforschung über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen türkischen und deutschen Unternehmen im Klein- und Mittelstand, Bankangestellte, Hospitantin in der geschützten Station einer Psychiatrischen Klinik etc. Zudem nahm ich zwei Jahre Schauspielunterricht und wirkte ca. vier Jahre als Laiendarstellerin bei Theater- und Tanztheaterprojekten.

Meine Hochbegabung erkannte ich erst September 2013 Dank einer Höchstbegabten. Also fünf Jahre später, nachdem mich fünf Personen aus meinem hochbegabten Umfeld, darunter auch Mensa-Mitglieder, mich als solche erkannt hatten und mich darauf hinwiesen.

„Nicht die Eiche ist das Modell, sondern die Bambuswälder:
Das Interkulturelle Netzwerk für Hochbegabte ist eine Innovation und Erweiterung zu allen bisherigen etablierten Netzwerken für Hochbegabte und Höchstbegabte, weil es als Campus für Visionäre aus aller Welt mehrsprachig die kulturellen und interkulturellen Besonderheiten und Vielfalt der Hochbegabung in den Mittelpunkt stellt.“

Franziska: Wie kam es dazu, dass Du Dich im Jahr 2015 dazu entschlossen hast, das Interkulturelle Netzwerk für Hochbegabte zu gründen?

Çiğdem: Als Migrantin betrachte ich Themen zusätzlich aus weiteren (auch konträren) kulturellen Definitionen, Deutungen, Perspektiven, je nach Wechsel der z. B. deutsch-türkischen Sprache und Kultur auf unterschiedlichen (auch konträren) Gedanken- und Gefühlsebenen. Mir fiel auf, dass die Bandbreite dieser Perspektiven in der Hochbegabtenlandschaft, in bisherigen Netzwerken für Hochbegabte, in der Wissenschaft, Gesellschaft, Schul- und Hochschulwelt und Arbeitswelt kaum Berücksichtigung finden. Zudem stellte ich fest, dass bisher sehr viele einheimische Hochbegabte nicht offen oder nicht offen genug für Gleichgesinnte aus anderen Kulturen sind. Des Weiteren gibt es aus meiner Sicht kaum Engagements und wenig Studien zu diesen Themen.

Die Idee zum Aufbau eines Interkulturellen Netzwerkes für Hochbegabte entstand im Mai 2015 spontan und leise in einem Kurs für Webdesign in Wuppertal. Also gründete ich das eigene Netzwerk, das vor allem die kulturelle und interkulturelle Komponente des Themas sowohl für die Einheimischen als auch für Migranten, Flüchtlinge, geflüchteten Asylsuchenden und Asylanten in den Mittelpunkt stellt .Seitdem baue ich dieses Netzwerk nicht hauptberuflich, nicht nebenberuflich, sondern in meiner freien Zeit auf.

Das Interkulturelle Netzwerk für Hochbegabte ist eine Innovation und Erweiterung zu allen bisherigen etablierten Netzwerken für Hochbegabte und Höchstbegabte wie z. B. Mensa International, Mensa in Deutschland e. V. (MinD), MinD- Hochschul-Netzwerk (MHN), Triple Nine Society (TNS) etc., weil es die kulturellen Besonderheiten und Vielfalt der Hochbegabung nicht nur berücksichtigt, sondern in den Mittelpunkt stellt. Nicht die Eiche das Modell, sondern die Bambuswälder.

Das Interkulturelle Netzwerk für Hochbegabte ist ein mehrsprachiges, länder- und kulturübergreifendes Netzwerk für erwachsene Begabte, Hochbegabte, Vielbegabte, Höchstbegabte, Hochsensible, Synästheten, ihren Familienangehörigen und für alle Interessierte.

Franziska: Worin genau besteht die Arbeit deines Netzwerks und was ist Deine Vision, wo soll es hingehen?

Çiğdem: So, wie im Südpazifik die besonderen tongaisches Malau-Hühnervögel ihre Verantwortung und `Dienstleistung´ sehr gut kennen und für sie charakteristisch das Brüten an warme Vulkanerde `delegieren´, damit zwar allein stehen, doch sogar Biologen in der Wissenschaft beschäftigen, so fühle ich mich in der breiten Öffentlichkeit als Mitglied einer Gruppe von Hochbegabten. Wir, die Mitglieder, (und ich fühle mich in dieser Position reichlich beschenkt) legen unsere Ziele und Visionen auf die Kulturen verbindenden und warmen Böden unseres Interkulturellen Netzwerkes für Hochbegabte… Unser Netzwerk möchte in der Hochbegabtenlandschaft unter allen bisherigen Netzwerken eine Symphonie, also eine interkulturell reiche Gesamtheit, schaffen. Und es möchte mit den verschiedenartigen Farben seiner Mitglieder, Experten und Unterstützer raum- und kulturübergreifend die durchschnittliche Außenwelt eindrucksvoll – informieren, aufklären, Gesicht zeigen, eigene Geschichten erzählen, zusammenwirken und die Welt bereichern. Das Interkulturelle Netzwerk für Hochbegabte möchte nicht nur von negativen, dramatischen Erfahrungen der Betroffenen berichten, sondern auch der positiven Aspekte der Hochbegabung Raum geben. Es möchte zwischen ähnlich empfindungsfähigen Menschen eine Verbindung und Verbundenheit herstellen und die Chance zur kulturellen und interkulturellen Begegnungen und Austausch von Andersmenschen ermöglichen. Für alle Seiten, also für Betroffene, wie auch für die durchschnittsbegabte Mehrheitsgesellschaft, Kulturen, Medien, Politik, Arbeitswelt etc. soll eine win-win-Situation resultieren.

„So, wie im Südpazifik die besonderen tongaisches Malau-Hühnervögel ihre Verantwortung und `Dienstleistung´ sehr gut kennen und für sie charakteristisch das Brüten an warme Vulkanerde `delegieren´, damit zwar allein stehen, doch sogar Biologen in der Wissenschaft beschäftigen, so fühle ich mich in der breiten Öffentlichkeit als Mitglied einer Gruppe von Hochbegabten. Wir, die Mitglieder, (und ich fühle mich in dieser Position reichlich beschenkt) legen unsere Ziele und Visionen auf die Kulturen verbindenden und warmen Böden unseres Interkulturellen Netzwerkes für Hochbegabte…“

Meine Vision ist es, dass aus der Arbeit und Synthese des Interkulturellen Netzwerkes für Hochbegabte weltweit in vielen Ländern und Kulturen in der Gesamtgesellschaft, Medien, Politik, Schul- und Hochschulwelt sowie in der Arbeitswelt ein positiver geistiger und emotionaler Klimawandel entsteht.

Meine Vision und Ziel für Deutschland ist es, zunächst die ethnische Diskriminierung – auch im Zusammenhang mit Hochbegabung – als Thema noch stärker ins öffentliche Bewusstsein zu bringen, damit eine Änderung des gesellschaftlichen Klimas und der deutschen medialen Berichterstattung erzielt werden können. Des Weiteren gehört zu meinen Zielen, dass öffentlich vorherrschende und defizitär behaftete Bild über die Arbeits- und Fluchtmigranten zu korrigieren und dieses um ein wertschätzendes, reales und dreidimensionales Bild über begabte und hochbegabte Migranten zu erweitern.

Ich sehe, fühle und erlebe die durchschnittliche Mehrheitsgesellschaft auf der einen Seite, und die Hochbegabten auf der anderen Seite. Folglich beobachte ich die ständige Diskrepanz zwischen den beiden Seiten. Eines meiner Anliegen ist es, die Mehrheitsgesellschaft mit der Gruppe der Hochbegabten auf ein Konsens des Dialoges zu bringen, um evtl. vorhandene Ängste und Vorurteile zu minimieren und beidseitig mehr Toleranz sowie Akzeptanz zu fördern.“ 

“Ich sehe, fühle und erlebe die durchschnittliche Mehrheitsgesellschaft auf der einen Seite, und die Hochbegabten auf der anderen Seite. Folglich beobachte ich die ständige Diskrepanz zwischen den beiden Seiten. Eines meiner Anliegen ist es, die Mehrheitsgesellschaft mit der Gruppe der Hochbegabten auf ein Konsens des Dialoges zu bringen, um evtl. vorhandene Ängste und Vorurteile zu minimieren und beidseitig mehr Toleranz sowie Akzeptanz zu fördern.“

Meine Wahrnehmungs-Infrastruktur ist vor Freude völlig aus dem Häuschen über die bisherigen vielen öffentlichen und nicht-öffentlichen wertschätzenden, positiven Feedbacks und Resonanzen unserer Leser, Mitglieder, ehrenamtlichen Unterstützer, Künstlerfreunden weltweit und Experten. An dieser Stelle danke ich an ihnen allen und dir, liebe Franziska, von Herzen.

Wow, auch ich möchte mich an dieser Stelle schon einmal für die bereichernden, offenen Worte von Dir, liebe Çiğdem, bedanken.

Der zweite Teil des Interviews folgt demnächst. Trage Dich am besten noch heute für die Beitrags-Benachrichtigungen ein, um künftig keinen Beitrag mehr zu verpassen.

Besuche auch auf jeden Fall die Website von Çiğdem und vernetze Dich mit ihr.

Alles Liebe,
Franziska

5 thoughts

  1. Ich respektiere diese außergewöhnliche Herausforderung und dein damit verbundenes herausragende Engagement. Und zwar vor allem auch aus dem Grund, da sich mir hier Parallelen aufzeigen, die auch meinen Lebensverlauf beschreiben. Es ist gar nicht so anders. Auch wenn mein Ursprung nicht so weit weg war vom dem Hier, so war es doch auch auf einem abgelegenen Dorf. Und auch für mich war es bereichernd, das sich mein Leben dort erfüllte mit der Reichhaltigkeit, welche sich dort bot. Es war mir nämlich das ’selbst leisten‘ und vor allem ‚können dürfen‘, was mich dort bereicherte. In der Nebenerwerbslandwirtschaft als 13-Jähriger den Traktor vor dem Kartoffelernter fahren zu dürfen, während mein Vater hintenauf mit Gehilfinnen die Kartoffeln sortiert, war das Allergrößte, machte mich stolz, daß ich dies konnte und durfte. Zuhause wurden Renovierungen, Anbau- und Umbaumaßnahmen noch selbst bewältigt und wie selbstverständlich war ich bei allen Arbeiten meines Vaters dabei. Mit anderen Kindern spielen fand daneben auch statt. Alles miteinander war füllte mich vollständig aus. Das änderte sich jedoch schlagartig, als mein Vater während meines 15. Lebensjahres verstarb. Alles war und wurde anders. Nichts war mehr wie zuvor. Selbst leisten war meiner Mutter ein Zeichen von Armut und wurde ich zum Gehändikapten. In der Grundschule hatte ich durchweg Einsen, jedoch in der Realschule, in welcher ich mich dann fragte, was man mit dem, was man dort ‚erzählt‘ bekommt, praktikabel anfangen könne, ergab sich mir nur ein Unnutz dessen. So hatte ich wohl regelrecht das ‚Auswendiglernen‘ fortan instinktiv abgelehnt. Im 8. Schuljahr fand ein Intelligenztest statt, bezüglich dessen Ergebnis mir meine Klassenlehrerin mitteilte, daß ich einen IQ von über 140 habe. Ich erinnere mich noch, wie sie da stand und mir dies mitteilte mit einem fragenden Gesichtsausdruck. Was das ist, das wußte man wohlweislich nicht. Im selben Jahr bin ich dann auch sitzengeblieben.

    Ich habe mich dann über mehrere Jahre arrangiert, bis mir mit 26 Jahren endgültig dies sich derart weit zu einem ‚Anderssein‘ entwickelt hatte, daß mir alles miteinander nur noch als fremd erschien. Das war nicht mein Leben, das ich lebte, sondern irgendeine Willkürlichkeit von anderen – ich wurde aus deren Lebensverhältnis heraus belebt. Somit beendete ich auch von heute auf morgen diesen Lebensabschnitt, da es mir in diesem Verhältnis sich als unabänderlich stellte und begann von Grund auf zu erforschen, was mich da derart um treibt. Was hat es mit dem Sein auf sich, daß eine derartige Widrigkeit und Disharmonie als Substanz des Lebensinhaltes überhaupt stattfindet? Warum wurde das Leben derart andersartig als zuvor? Worin/woraus besteht das Harmonische/Disharmonische? Was ist die Realität dessen, was sich da mehr als Schein als tatsächliches Sein darbietet? Zehn Jahre hatte ich mich mit den Fragestellungen beschäftigt, um diese zu erörtern, jedoch kann neben Antworten noch viel mehr Fragen dabei heraus. Somit machte ich eine erneute Kertwende und wandte mich ab von all dem, was mir ‚wissentlich‘ zuteil wurde in meinem Leben und wandte mich fortan einzig noch dem zu, worüber ich praktische ‚erlebte‘ Erfahrung gemacht hatte. Von hier an erhielt das Ganze eine ganz andere Nuance und die Dinge erhielten Klarheit. Schritt für Schritt ergab sich im Verlauf der weiteren Jahre ein Komplexum an Realitätsbezug, der letztendlich nicht mehr nur fragmentarisch, sondern ganzheitlich sich mir dann als Gesamtordnungssystem herausbildete.

    Schon einst hatte ich erkannt, daß die Erkenntnisse, zu denen ich gelangte, keine persönlichen sind, sondern allgemeingültige und somit strebte ich auch an, dies eines Tages anderen zu vermitteln, damit auch sie dies für sich nutzen können. Maßgeblich ist nämlich hierin, daß man ein halbes Menschleben dafür braucht, um zu solchen Resultaten zu gelangen. Und wie will man dies tun, wenn man doch in der Maschinerie des Gelderwerbes lebt. Für andere unmöglich, aber ich konnte es mir ermöglichen, aus meinem unaufhaltsamen Trieb heraus es zu bewerkstelligen, diese Zeit aufbringen zu können – nicht das Leben mit dem Gelderwerb verbringen zu müssen, worin die Zeit nämlich nicht gegeben ist, sondern über meine Genügsamkeit und Intelligenz ein Leben zu gestalten, welches mir dies ermöglichte. Mit diesen Kenntnissen stehe ich auch heute da, mit dem Unterschied, daß ich mich gravierend darin verändert habe, aber die Welt da draußen ‚in dem Bezug‘ nicht.

    Die Miseren, die man darin antrifft, basieren auf den ‚Weltbildern‘, die da draußen ihr Unwesen treiben. Es hält die Menschen davon ab, wahrzunehmen, was sich ihnen darbietet – was ‚tatsächlich‘ ist. Und hiermit meine ich ’sinnlich‘, denn im Gegensatz dazu werden die Menschen mit Geistigem dermaßen überhäuft, daß das Sinnliche weitreichen völlig überdeckt wird. So wie auch die Hochbegabungen, die keineswegs derart fixiert sind, sondern eine Individualität in sich trägt, die sich auf vielfältige Weise umsetzen kann. Es geht nur darum, sie sein, wirken und sich umsetzen zu lassen. Aber wo läßt man diesem seinen Lauf? Nirgends, denn das Einzige was zählt, ist der Mechanismus, der funktioniert, wie vorgegeben. Das war schon immer so, nämlich aufgrund der Bedürftigkeit derer, die nicht über ausreichendes Potential verfügen, um das was sie leben, selbst ausfüllen zu können. Es bedarf ihrer der Anderen und aufgrund dessen Bandbreite auch die Maßgabe der Angepaßtheit.

    Es gäbe einen ganz einfachen Weg aus diesem Verhältnis. Dies nennt sich Autodidakt. Die pragmatische Anwendung der eigenen Potenz. Jedoch steht diesem das Erbsystem entgegen, welches sich Einführung der einstigen Erbmonarchie breit gemacht hat bis hin zu den Arbeitsvertragsvergaben, die auch nicht mehr anders verlaufen, als daß sie vererbt werden. Generell alles nimmt einzig noch seinen Weg über das Vererben. Wo steht da Derjenige, welcher sein eigenes Potential in sich trägt – nicht abhängig ist, von anderen zu erhalten – mehr hat, als dieser für sich selbst jemals verbrauchen kann – es sich gar nicht verbraucht, da es sich bei Anwendung sogar noch mehret? Dieser steht außen vor, da er dem System hinderlich ist – diesem nicht entspricht.

    Ja wir sind Außenseiter Çiğdem, aber wir stehen keineswegs außen vor, denn insofern wir uns unseres Potentiales bewußt sind, können wir es auch umsetzen – auf die eine oder andere Weise. Und so gilt es vor allem auch dies anderen zu vermitteln, damit Diejenigen, deren extrem Ausgeprägtheit ihrer Begabungen sie nicht im Käfig halten läßt, ihren Weg bahnen läßt, ihr Potential zu ihrem und ihrer Gemeinschaft Nutzen umzusetzen. DARÜBER kann man es anderen vermitteln und zwar auch einzig darüber.

    Herzlichst in aller Freundschaft

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  2. Hallo Jörg,
    merci für deinen Kommentar.

    Du hast geschrieben:
    > „Ich respektiere diese außergewöhnliche Herausforderung und dein damit verbundenes herausragende Engagement.“

    Vielen herzlichen Dank für deine Wertschätzung und Kompliment!
    Auch dafür, dass du uns Einblick in deine Biografie gewährt hast.

    Du hast geschrieben:
    > „Das war nicht mein Leben, das ich lebte, sondern irgendeine Willkürlichkeit von anderen – ich wurde aus deren Lebensverhältnis heraus belebt. Somit beendete ich auch von heute auf morgen diesen Lebensabschnitt, da es mir in diesem Verhältnis sich als unabänderlich stellte und begann von Grund auf zu erforschen, was mich da derart um treibt. Was hat es mit dem Sein auf sich, daß eine derartige Widrigkeit und Disharmonie als Substanz des Lebensinhaltes überhaupt stattfindet? Warum wurde das Leben derart andersartig als zuvor? Worin/woraus besteht das Harmonische/Disharmonische? Was ist die Realität dessen, was sich da mehr als Schein als tatsächliches Sein darbietet?“

    Meine Antwort:
    Jeder von uns trägt selbst Verantwortung für sein eigenes Leben. Auch wenn die Außenwelt aus lauter Willkür bestehen sollte, so ist es dann „meine“ Aufgabe, die Welt draußen für mich so zu strukturieren, dass ich sie mir erträglich mache und zudem eine Brücke dorthin baue, um im Dialog mit den Normalos zu stehen.

    Du hast geschrieben:
    > „Die Miseren, die man darin antrifft, basieren auf den ‚Weltbildern‘, die da draußen ihr Unwesen treiben. Es hält die Menschen davon ab, wahrzunehmen, was sich ihnen darbietet – was ‚tatsächlich‘ ist. Und hiermit meine ich ‚sinnlich‘, denn im Gegensatz dazu werden die Menschen mit Geistigem dermaßen überhäuft, daß das Sinnliche weitreichen völlig überdeckt wird. So wie auch die Hochbegabungen, die keineswegs derart fixiert sind, sondern eine Individualität in sich trägt, die sich auf vielfältige Weise umsetzen kann. Es geht nur darum, sie sein, wirken und sich umsetzen zu lassen. Aber wo läßt man diesem seinen Lauf? Nirgends, denn das Einzige was zählt, ist der Mechanismus, der funktioniert, wie vorgegeben. Das war schon immer so, nämlich aufgrund der Bedürftigkeit derer, die nicht über ausreichendes Potential verfügen, um das was sie leben, selbst ausfüllen zu können. Es bedarf ihrer der Anderen und aufgrund dessen Bandbreite auch die Maßgabe der Angepaßtheit.“

    Meine Antwort.
    Ja, das ist leider (noch) so.

    Du hast geschrieben:
    > „Ja wir sind Außenseiter Çiğdem, aber wir stehen keineswegs außen vor, denn insofern wir uns unseres Potentiales bewußt sind, können wir es auch umsetzen – auf die eine oder andere Weise.“

    Meine Antwort.
    Ob du ein Außenseiter bist, mag ich nicht zu beurteilen, weil ich dich nicht persönlich kenne.
    Ob ich ein Außenseiter bin, mag ich auch nicht beurteilen.
    Die Fragen, die sich mir stellen, sind:
    Wer entscheidet darüber, ob wer „draußen“ oder „drin“ ist?
    Wer entscheidet darüber, ob ich als wertvoll und wertgeschätzt gelebt werde? Ich oder die anderen? Oder beide?
    Bin ich ein Teil der Gesellschaft oder ist die Gesellschaft ein Teil meines Seins?
    Wie kann ich mich für mich einsetzen, ohne gegen jemanden zu sein?
    Siehe hierzu meine Fragestellungen in meinem Artikel „Über hochbegabte Außenseiter, Innenseiter und eingefärbte Flamingos“ http://www.interkulturellhochbegabte.de/2018/03/28/ueber-hochbegabte-aussenseiter-innenseiter-und-eingefaerbte-flamingos/
    Ja, du hast recht. Wir haben die Möglichkeit unsere Potentiale auszuleben und sie umzusetzen.

    Herzliche Grüße

    Çiğdem

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  3. Ich hatte einst mit 26 Jahren den bestehenden Lebensverlauf abgebrochen, um mich der Misere zu widmen aufzuklären, was es damit auf sich hatte bezüglich der nicht enden wollenden Anzahl von Widersprüchen, welche mein Leben ausfüllten. Irgendwie war nichts (mehr!) so, wie es ursprünglich war. Als Jugendlicher hatte ich noch ein relativ klares Bild über die Dinge, jedoch erwies sich das alles nach und nach als Trugbilder des Seins. Meine ausgehende Fragestellung war daraufhin ausgerichtet, zu klären, was es damit auf sich hat.

    Es dauerte Jahre und es erschien mir auch zunächst nur andeutungsweise, zu erkennen, daß ich mich in einer ausweitenden Spirale drehte. Während es mir gelang, vier Fragen zu beantworten, tauchten währenddessen zehn Neue auf. Die Dinge wurden letztendlich nicht klarer, es wurde nur noch mehr. In der Beschau dessen verdeutlichte sich mir jedoch eine eindeutige Trennlinie, daß ich nämlich in dem Erleben der Dinge über Klarheit besaß und sich das, was andere darstellen als etwas (teils völlig) Relatives und gar völlig dem Widersprechendes dem gegenüber stand.

    Die eigentliche Unterscheidung und Trennung, welche ich mir einst eingerichtet hatte, basiert auf der Differenzierung von Wahrnehmung und geistiger Vorstellung. Das sind nämlich zwei verschiedene paar Schuhe – ich nehme etwas wahr und denke darüber nach. Maßgeblich ist hierin, daß damit verbunden auch die Sprache nicht unsere Wahrnehmung wiedergibt, sondern einzig die geistige Vorstellung – eine Interpretation dessen, welche wird darüber ‚abbilden‘. Daraus ergibt sich der Sachstand, daß wenn man Fragen stellt, demgemäß auch spezifisch darauf zu achten, ob man sich daraufhin mit dem Wahrgenommenen oder mit geistigen Vorstellungen beschäftigt.

    Bezüglich deiner Fragestellung gilt es mir einmal eine Erkenntnis dem entgegenzubringen, zu welcher ich vor einigen Jahren gelangt bin, als ich über einen langen Zeitraum hinweg bewußtseinsmäßig das Ganze des Seins in mir ausbreitete, um es vor allem auch in seiner Funktionalität zu ergründen:

    „Ich bin Teil des Universums und das Universum ist gleichzeitig in mir“

    Das Maßgebliche darin: zu dieser ‚geistige Erkenntnis‘ gelangte ich über das ’spüren‘ dieser Gegebenheit. Es war das empfindungsmäßige Erleben meines Ausbreitens aus meinem Körper hinaus und gleichzeitigen Einwirkens in meinen Körper dieser Gänze, worüber ich zu dieser ‚Erleuchtung‘ gelangt bin. Ich konnte ’sehen‘, wie das Ganze funktioniert. Nichts existiert alleinig aus sich selbst heraus. Alles basiert auf der ’substanziellen‘ Wechselwirkung.

    Und so kann ich heute aber auch sehen, was dem gegenüber steht. Nämlich vor allem Menschen, welche sich anmaßen, der Natur des Seins zu erklären, wie sie denn sei. Sie ordnen den Dingen Namen zu, deren Sein sie für absolut erklären.

    Wenn man die Ergründung des Seins in die Natur geistiger und sprachlicher Erörterung verlagert, befaßt man sich nicht mit dem Sein selbst, sondern einzig mit der geistigen Vorstellung!!!

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